Frostpunk – Die Stadt muss Überleben

Vorworte

Zu allererst möchte ich darauf hinweisen, dass ich in diesem Artikel massiv die Kampagne „ein neues Zuhause“ spoilern werde. Wer also das Spiel unbeeinflusst spielen möchte, sollte hier aufhören zu lesen.

Hier geht’s zum ersten Spielbericht.

Auf ein Neues

Nachdem ich in zwei weiteren Spielen die Spielmechanik genauer unter die Lupe genommen hatte, unternahm ich einen neuen Versuch die Stadt durch den Winter zu bringen.

Diesmal gelang es schon am ersten Tag genug Kohle zu sammeln um den Generator hochzufahren. Beruhigend summt die Maschine vor sich hin und trotzt der arktischen Kälte einen kleinen Kreis voll Wärme ab. Meine Einwohner konnten sich auch über die ersten Zelte für die Nacht freuen.

Schnell wurde auch ein Speisehaus und einige Jagdhütten errichtet, so dass die Grundbedürfnisse der Einwohner fürs Erste gedeckt waren. So konnten auch die ersten Temperaturstürze problemlos abgehandelt werden.

Die Stadt wächst

Schon bald trat eine Bürgerin an mich heran und bat mich den vermissten Teil der Expedition zu suchen, der auf dem Weg zur Stadt verloren ging. Nachdem die entsprechende Technologie erforscht wurde, konnte ich alsbald eine Signalstation errichten die von nun an meine Augen in der eisigen Frostlandödnis sein sollte.

Rasch wurde ein Expeditionsteam zusammengestellt und die vermissten Angehörigen gesucht. Schon wenige Tage später war es soweit, die vermissten konnten sicher meine Stadt erreichen.

Familien wurden wiedervereint, neue Arbeitskräfte ermöglichten den Ausbau der Stadt.

Winterheim und die Wiederentdeckung des Glaubens

Schon bald kam der Wunsch auf, die schon früher im ewigen Eis angelegte Stadt Winterheim zu finden. Vielleicht konnten sich die beiden Siedlungen in der tödlichen und lebensfeindlichen Umgebung gegenseitig helfen. Auf dem Weg dahin machte ich eine erfreuliche Entdeckung. Ein Automaton der eine Brücke schneefrei hielt.

Automatone sind Maschinen die auf langen Beinen über den Boden wandern. Sie arbeiten Tag und Nacht, unabhängig von den sie umgebenden Temperaturen. Sie legen nur kurzfristige Pausen ein um sich am Generator oder einem Dampfzentrum mit heißem Dampf aufzuladen. Dieses Meisterwerk der Technik würde meine Wirtschaft enorm beflügeln.

Während die Expeditionsteams weiter nach Winterheim suchten, wuchs meine Stadt weiter. Neue Häuser wurden errichtet, neue Technologien erforscht, ein Pflegeheim für die Invaliden entstand.

Die Hoffnung meiner Bevölkerung die Eisapokalypse zu überstehen wuchs.

Bis die Späher Winterheim erreichten…

Anders als erhofft fanden die Mitglieder des Expeditionskorps keine prosperierende Stadt vor, sondern eine dem Untergang anheim gefallene Karikatur einer Heimat.

Da die mir anvertrauten Menschen ihre gesamte Energie in die Entdeckung der Stadt gesteckt hatten, sank die Hoffnung ins Bodenlose. Würde es uns ähnlich gehen wie den Menschen in dieser Stadt? War ein Überleben in dieser tödlichen Umgebung überhaupt möglich? Zweifel machten sich breit und zersetzten die Stimmung in der Stadt.

Diese Londoner!

Die schlechte Nachricht sollte bald Wirkung zeigen. Einige in der Bevölkerung schmiedeten all ihrer Hoffnung beraubt den Plan die Stadt aufzugeben und zu versuchen sich nach London durchzuschlagen.

Die Londoner würden noch für sehr viel Ärger sorgen. Nun ging es aber darum, die Hoffnung der Menschen wieder zu entflammen! Ich musste wählen, welchen Weg ich dafür beschreiten würde. Sollte ich sen alten Glauben wieder entfachen, Kirchen bauen, geistliche einsetzen, oder sollte ich die Ordnung zum obersten Gut erheben, inklusive Wachmannschaften und Propaganda?

Ich entschied mich für den Glauben. Also wies ich die Bürger an, zwei Kirchen zu errichten und regelmäßig Abendgebete durchzuführen. Die Hoffnung begann wieder zu steigen.

Alsbald strömten die Menschen nach der Arbeit in die Kirchen um gemeinsam zu beten.

Der wiedererweckte Glauben war aber nicht für alle Bürger ein Segen. Die Londoner waren nach wie vor fest entschlossen, unsere Stadt zu verlassen und zersetzten heimlich die Moral. Trotz all der Annehmlichkeiten wie den errichteten Suppenküchen nutzten sie jede Gelegenheit gegen meine Autorität vorzugehen. So wurden des Nachts Parolen an die Häuser geschmiert und Menschen mit Reden animiert sich den Londonern anzuschließen.

Während ich versuchte die innenpolitische Situation zu entspannen, sanken die Temperaturen teils auf eisige minus sechzig Grad Celsius. Nur Dank der kontinuierlichen Verbesserung des Generators und der Erforschung von besserer Dämmung für die Gebäude gelang es mir, die Temperaturen in dem Häusern auf erträglichen Niveau zu halten.

Dann gingen die Londoner zu weit. Als ein Geistlicher versuchte eine Menchenmenge bei einer Rede zu zerstreuen wurden die Separatisten zum ersten Mal handgreiflich.

Um die Lage zu beruhigen musste ich also zu härteren Bandagen greifen. Ich unterzeichnete ein Gesetz, dass die Aufstellung von Glaubenshütern ermöglichte. Diese würden die Menschen wieder auf den rechten Pfad bringen.

Schon gleich nach der Gründung nahmen sie pflichtbewusst ihr Arbeit auf und sorgten für ein Ansteigen der Hoffnung.

Durch viele gemeinsame Gebete, milde Taten und ständiger Präsenz der Glaubenshüter verfingen die Worte der Londoner immer weniger.

Langsam aber sicher wurde die Separatistenbewegung immer schwächer. Die Zahl derer, die ihr Glück in der alten Heimat suchen wollten schwand. Langsam kehrte Frieden ein.

Und so vergingen nicht mehr viele Tage, bis die Londoner die Sinnlosigkeit ihres geplanten Unterfangens einsahen und sich für die Stadt entschieden.

Vereint stand die Bevölkerung nun wieder hinter ihrem Captain. Mit einem hoffnungsvollen Blick in die Zukunft, bereit weiteren Gefahrem des Frostlandes zu trotzen.

Die Flüchtlinge

Mittlerweile hatte meine Stadt einen großen Schritt nach vorn gemacht und mehrere Außenposten im ewigen Eis errichtet. Die Arbeiter dort versorgten die Stadt täglich mit einem kleinen Kontingent an Kohle und Nahrung. Mehrere Späherteams durchsuchten das Frostland um Rohstoffe und andere Überlebende zu finden. Immer wieder konnte ich kleine Gruppen an Menschen finden, die irgendwie in der Eiswüste überlebt hatten. Die Stadt wuchs.

Es schien, als ob ein Überleben in der tödlichen Kälte tatsächlich auf Dauer möglich war. Es ging uns tatsächlich so gut, dass ich es mir leisten konnte, eine große Gruppe Kinder aufzunehmen die meine Späher in einer Höhle fanden. Wohl wissend, dass sie in der Stadt nur hungrige Mäuler sein würden, führte ich die Gruppe in die Stadt. Das Überleben der Stadt schien gesichert.

Bis zu dem Tag, als der erste Flüchtlingstreck in der Stadt eintraf. Eine müde, abgekämpfte Gruppe Menschen erschien vor den Toren unserer neuen Heimat und bat um Hilfe. Einige wenige waren krank, aber die fleißigen Hände konnten gut gebraucht werden. Was sie zu berichten hatten ließ uns jedoch das Blut in den Adern gefrieren. Sie berichteten von einer Wetteranomalie vor der sie flohen, und vor der es kein Entkommen gab. Außerdem berichteten sie von zwei weiteren Gruppen, die in wenigen Tagen die Stadt erreichen würden. Mit bangem Blick auf die Nahrungsmittelversorgung überlegte ich, ob die folgenden Gruppen meiner Stadt dienlich sein würden. Wie sich herausstellte, sollten die nächsten beiden Flüchtlingstrecks in einem deutlich schlechterem Zustand sein, als der Erste. Beim zweiten Treck war die Hälfte der Menschen krank, einige sogar schwer. Ich nahm sie schweren Herzens trotzdem auf. Als beim dritten Treck nur noch zehn gesunde Menschen in der Stadt ankamen, die anderen schwer krank, musste ich für das Wohl meiner Bürger und gegen die Menschlichkeit entscheiden. Die Gesunden durften bleiben, den Rest wies ich in der Gewissheit ab, dass keiner von Ihnen überleben würde.

Der Sturm

Nur kurze Zeit später entdeckten meine Wissenschaftler auch auf ihren Instrumenten wovor die Menschen geflüchtet waren. Ein Sturm zog herauf. Es sollte sich herausstellen, dass seine Ausmaße alles je dagewesene in den Schatten stellen würde. Die Stadt wartete gebannt auf die Ergebnisse der Messungen.

Am Horizont konnte man die ersten Ausläufer des Sturms erkennen. Düstere, drohende Wolken schoben sich unaufhaltsam in Richtung unserer Stadt. Die Temperaturen sanken teilweise auf bitterkalte minus siebzig Grad Celsius.

Was die Wissenschaftler der Stadt dann präsentierten, übertraf dann aber alle Erwartungen. Der Sturm würde alles hinwegfegen, was nicht ausgiebig darauf vorbereitet wurde. Die Temperaturen würde so weit sinken, dass alles erfrieren würde.

Wir mussten uns vorbereiten. Das wichtigste war, dass der Generator nicht ausging und die Mägen gefüllt waren. Es mussten also große Vorräte an Kohle und Nahrung angelegt werden.

Um in den verbliebenen Tagen genug Vorräte anzulegen, musste ich einige schwerwiegene Entscheidungen treffen. Zum Beispiel wurden die ohnehin schon einfach Mahlzeiten durch die Ausgabe von Suppe gestreckt. So sollte es möglich sein, mehr Vorräte anzulegen. Dass für Menschen die bei eisigen Temperaturen hart arbeiten die Aussicht auf eine Suppe am Abend nicht sehr verlockend war, sollte verständlich sein.

Die Angst vor den Sturm ließ tageweise ganze Mannschaften der Betriebe ausfallen, da diese lieber ihr Heil im Gebet suchten. Teilweise ließ ich die Menschen gewähren, die Hoffnung sollte nicht aus den Herzen der Menschen schwinden.

Kurz überlegte ich sogar ein Gesetz zu unterzeichnen, dass einen neuen Glauben etabliert hätte. Nämlich den, dass der Captain der Stadt das Sprachrohr Gottes sei, und daher unfehlbar. Eine aufgebrachte Menschenmenge die mir ins Gewissen redete, außerdem die Aussicht auf mehrere Tote, hielt mich jedoch von diesem radikalen Schritt ab.

Mit angehaltenem Atem wartete die Stadt auf das Eintreffen des Sturms während die Temperaturen immer weiter sanken.

Die Stadt muss überleben

Es war so weit. Der Sturm erreichte die Stadt. Und würde schlimmer werden, als alles was sich die Bürger vorgestellt hatten.

Die Jagdhütten hatten ihren Betrieb eingestellt und die Erde in den Treibhäusern gefror, so dass wir von dem Leben mussten, was sich in unseren Vorratslagern befand.

Obwohl es für unmöglich gehalten wurde, sanken die Temperaturen unaufhaltsam weiter. Auf unglaubliche minus hundertzehn Grad Celsius!

Die Krankenhäuser konnten den Ansturm der erkrankten nicht mehr bewältigen. Ganze Familien starben in den kalten Häusern. Zusammengekauert um wenigstens ein wenig Wärme zu erhaschen.

Obwohl der Generator auf Hochtouren lief, sogar teilweise im Overdrive Modus arbeitete, die Häuser mit allen erdenklichen Dämmtechnologien ausgestattet waren, wurden die Temperaturen immer unerträglicher.

Doch der Höhepunkt des Sturms stand meiner Stadt noch bevor. Unfassbare minus einhundertfünfzig Grad Celsius markierten den Höhepunkt des Sturms und gleichzeitig den Tiefpunkt der Temperaturen. Das Spiel ist hier so ausgelegt, dass es unmöglich ist, erträgliche Lebensbedingungen zu erhalten. Die Wärmesichtkarte offenbart die ganze Misere.

Wir haben überlebt

Nachdem schon seit einem Tag die Essensvorräte verbraucht waren und die Bewohner im Minutentakt zu sterben schienen, flaute der Sturm endlich ab. Die Temperaturen, welche vorher nur eine Richtung kannten, stiegen wieder!

Wir haben überlebt. Aber zu welchem Preis. Mehr als 100 Einwohner fanden im Sturm ihr Ende. Die Hälfte der Bevölkerung war schwer krank. Die Vorräte waren verbraucht. Aber wir haben überlebt. Die letzte Bastion der Menschheit konnte ihrer Zukunft entgegen blicken.

Das war mein Bericht über die Kampagne des Spieles Frostpunk. Ich kann es nur jedem empfehlen, dieses Spiel selbst zu testen.

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